Heute ein Sahnehäubchen-Klassiker. Passend zur “Themenwoche” der deutschen Musikkultur. Bereits vor vier Jahren war Jakob ganz verzückt, wenn die ersten Töne des Albumauftakts von CasperHinterland” ertönten. “Ich will das Lied hören”. “Welches Lied, mein Schatz?”. “Das ooh, oh, oh”. Eigentlich plausibel, muss ich nur noch übersetzen. Ich kann aus jahrelanger Erfahrung berichten, dass eine saubere Artikulation von Kindern extrem Zeit erspart. Im Gegensatz zu Emil hat Jakob früh bemerkt, ob jemand deutsch oder eine in seinen Ohren komische Fantasiesprache singt. Mittlerweile haben wir den Punkt des Hinterfragens erreicht. “Wie meint der das?”. “Wovon singt die Frau?”. Dies ist spannend zu beobachten. Ich erwarte die Tage, an denen ich den Sinn englischer, expliziter Texte mit Handpuppen nachspielen darf. Der Englischunterricht hat bereits eingesetzt, es kann nicht mehr lange dauern.

“So perfekt”

Casper oder Benjamin Griffey, wie er mit bürgerlichem Namen heißt, ist seit einigen Jahren fester Bestandteil der deutschen Musikszene. Sein Album “XOXO” brachte ihm 2011 den Durchbruch und ist für mich eines der bedeutendsten deutschen Rap-Alben der letzten Jahre. Ursprünglich mit seiner Band aus dem Hardcore kommend, etablierte er sich Mitte der 2000er im Genre Rap und Hip-Hop. Ähnlich den Beastie Boys, sind seine Wurzeln des Rocks immer wieder zu hören. Mit dem Nachfolgealbum “Hinterland” kamen für Casper große Hallen und Festival-Headlines. Die deutlichen Einflüsse des Indierocks verdankt das Album dem Produzenten Konstantin Gropper von den fabelhaften Get Well Soon.

Toleranz

Im Ascheregen” ist für das Album ein sehr guter Türöffner. Langes Intro. Pianothema. Spannungsaufbau. Caspers markante Stimme. Schnelle Textsalven. Und eben viel “Ooh, oh, oh”. Auf guten Anlagen definitiv ein Song für die Magengegend. Casper ist zudem ein sehr sympathischer Junge. Ein, im positiven Sinne, Musikverrückter, der nicht in Schubladen denkt und seine breite musikalische Sozialisation in seinen Liedern auslebt. Das ist meiner Meinung nach die beste Eigenschaft, die meine Jungs von Casper lernen können. Bis dahin gerne noch ein paar Mal “Ooh, oh, oh”.

 


 

Jede Woche begleite ich meine Zwillinge Emil und Jakob auf ihrem Weg durch die musikalische Welt. Wo bleiben sie stehen, wo verweilen sie? Wo sehe ich mich, wo laufe ich weg? Jeder Tag voller Spannung und vor allem, nie ohne Musik.